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KGS-Redakteurin Monika Knapp Tierische Therapeuten Tiere in psycho- oder physiotherapeutische Prozesse mit Menschen einzubeziehen wird immer populärer. Am bekanntesten sind Delfin- und Hippotherapie, aber auch Alpakas aus der Familie der Lamas sind bestens geeignet für den Kontakt mit Menschen im Allgemeinen und Patienten im Besonderen. In Hamburg bietet der Verein zur Förderung der Alpaka-Therapie e. V. Therapieplätze für Kinder und Erwachsene an Das Alpaka mit Namen Bandit empfängt mich gemeinsam mit Birgit Viett und Matthias Feindert vom Verein zur Förderung der Alpaka-Therapie e. V. auf dem Parkplatz der Horner Rennbahn. Bei minus fünf Grad und Wind treibt es mir die Tränen in die Augen, für Bandit müssen die Temperaturen gerade angenehm sein. Zur Begrüßung darf ich meine Hand in sein dickes, dichtes Fell graben und gleich wird mir wärmer, an der Hand und ums Herz. Denn Bandit ist ein ausgesprochen freundliches, geduldiges Wesen, dem es nichts ausmacht, wenn Menschen ihm im wahrsten Sinne des Wortes auf den Pelz rücken. Bandit und Condor sind die beiden „Therapakas“ des gemeinnützigen Vereins, der Therapieplätze für Kinder, Jugendliche und auch für Erwachsene zur Verfügung stellt. Es ist ein Pilotprojekt, dem sich Birgit Viett und Matthias Feindert mit großem Engagement widmen. Die Alpaka-Therapie kann ergänzend zu anderen Therapien eingesetzt werden. „Bei uns sind dies zur Zeit Psychotherapie, Ergotherapie und Logopädie“, erklärt Birgit Viett, „und wir sind offen für mehr.“ Der Verein zur Förderung der Alpaka-Therapie e. V. versteht sich als Plattform für Therapeuten, die mit ihren eigenen Patienten die Möglichkeiten von der einmaligen Begegnung mit den Tieren bis zum längeren Therapiezyklus nutzen möchten. Die Therapieplätze stehen zur Verfügung für Kinder und Jugendliche, die Missbrauch erlebt oder andere traumatische Erfahrungen gemacht haben, für Kinder mit Down-Syndrom oder autistischen Verhaltensweisen und auch bei anderen geistigen sowie körperlichen Behinderungen. Auch bei Erwachsenen, etwa bei Suchtproblematiken oder Depressionen, kann die Alpaka-Therapie eingesetzt werden. Bei Kindern mit autistischen Verhaltensweisen, für die die Kommunikation mit Menschen schwierig bis unmöglich ist, kann ein Tier als Mittler wirken. Wie in der bekannteren Delfintherapie kann der Kontakt zum Tier den Patienten helfen sich zu öffnen und auch Kontakt zu Menschen zuzulassen. Alpakas, die zur Gattung der Lamas gehören, sind hierfür besonders geeignet, da sie sehr viel körperliche Nähe zulassen und als Therapietiere auch gelassen bleiben, wenn die Berührung aufgrund einer Behinderung etwas unkoordiniert und ungewollt ruppig ausfällt. Der Umgang mit einem Tier kann für die Patienten auch bedeuten, ein Stück Verantwortung zu übernehmen, wenn sie es beim Spaziergang führen, es füttern und sich vielleicht um die Pflege des Stallplatzes kümmern können. Da die sanften Alpakas es den Menschen leicht machen sich ihnen zu nähern, kann so spielerisch das Selbstwertgefühl der Patienten gestärkt werden. Als Reittier ist das Alpaka nicht wirklich geeignet, aber kleinere Kinder dürfen sich schon mal auf Bandits oder Condors Rücken setzen. Und: Nein, sie spucken nicht! Grundsätzlich hat man bei der Tiertherapie beobachtet, dass die Patienten ruhiger und ausgeglichener werden, sich ihre Konzentrationsfähigkeit verbessert, Ängste abgebaut werden und es zu einer Verbesserung aller Körperfunktionen wie unter anderem der Grob- und der Feinmotorik kommt. Lamas/Alpakas sind ja ursprünglich in den südamerikanischen Anden beheimatet aber Condor und Bandit sind in Stuttgart geboren und in einem Dorf aufgewachsen, in dem sie von klein auf an den Kontakt mit Menschen und speziell auch mit Kindern gewöhnt wurden. Die beiden Alpakas des Vereins sind Wallache, die sind – so erfahre ich im Gespräch – am besten geeignet für die therapeutische Arbeit. Sie haben kein Hengstverhalten, das sie möglicherweise auch beim Menschen an den Tag legen könnten, und anders als Weibchen, sagt Matthias Feindert, seien sie auch weniger launisch. Alpakas, die in der Therapie eingesetzt werden, erhalten eine solide Trekkingausbildung, so dass sie den Umgang und den engen Kontakt mit Menschen erlernen. Ein entsprechend trainiertes Alpaka kann übrigens aufgrund seiner Darmgewohnheiten bei Bedarf auch mal zum Patienten in die Wohnung oder ins Wohnheim kommen, ohne dass man fürchten muss, dass es dort seine ganz privaten Geschäfte erledigt. Ein Therapiezyklus über zwei Wochen mit einer Stunde täglich kostet 1.600 Euro und damit nur etwa ein Zehntel einer Delfin-Therapie. Dennoch kann es für Betroffene schwierig oder unmöglich sein, das Geld aufzubringen, zumal die Kosten von den Krankenkassen (noch) nicht übernommen werden. Ein Modell zur Finanzierung der Therapie ist die Firmenpatenschaft, bei der sich ein Unternehmen bereit erklärt, die Kosten für einen Patienten zu übernehmen. Auch Privatspenden sind natürlich möglich und das Beispiel des dreijährigen Len beweist, dass dies bereits funktioniert. Len zeigt autistische Symptome und hat mit seinen drei Jahren noch kein Wort gesprochen. Als nach der ersten Begegnung zwischen Len und Bandit klar war, wie positiv der Junge auf den Kontakt mit dem Tier reagiert, hat der Verein ein Spendenkonto für den Dreijährigen eingerichtet. Im Internet lässt sich verfolgen, wie auch kleine Spenden dazu beitragen, dass das „Spendenthermometer“ stetig steigt und sich dem Betrag von 1.600 Euro nähert. Wer mehr über die Alpaka-Therapie erfahren möchte, aus Patienten- oder Therapeutensicht, ist bei Birgit Viett und Matthias Feindert herzlich willkommen. Zur Zeit haben die beiden Alpakas ihr Zuhause auf der Horner Rennbahn, wo es genügend Auslaufmöglichkeiten für Mensch und Tier gibt. Hier kann man sie für einen ersten Kontakt auch besuchen. Monika Knapp Verein zur Förderung von Alpaka-Therapie
e. V., Stückenstraße 61, 22081 Hamburg, |