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Beten schafft WirklichkeitDie Wüste von New Mexico – seit vielen Monaten ist kein Tropfen Regen gefallen. Pflanzen, Tiere und Menschen dürstet es nach dem erlösenden Nass, aber am Himmel zeigt sich nicht die kleinste Wolke, kein Anzeichen des sehnlich erwarteten Niederschlags. In einem Steinkreis inmitten des wilden Salbei steht David, Angehöriger eines hiesigen Indianerstammes. Er hat das Medizinrad, diesen heiligen Ort seines Volkes aufgesucht, um eine Zeremonie abzuhalten. Mit bloßen Füßen steht er im heissen Wüstensand, seine Augen sind geschlossen. Was genau David tut ist für seinen Begleiter Gregg Braden nicht zu erkennen, denn es geschieht ohne Worte: David betet Regen! Nein, hier fehlt kein Wort, David bittet nicht um oder für etwas – er selbst wird zu seinem Gebet. Wenn wir erleben könnten, was David in diesem Moment erlebt, dann würden wir klatschnass bis auf die Haut und mit den Füßen knöcheltief im Schlamm inmitten eines gewaltigen Wolkenbruchs stehen! Dieser Art zu beten ist der amerikanische Forscher und spirituelle Lehrer Gregg Braden auf der Spur und hat an diesem Tag in der Wüste eindrucksvoll erfahren, wie wirksam sie ist: Schon wenige Stunden später fällt tatsächlich endlich der bitternötige Regen auf das ausgetrocknete Land. Was genau ist hier passiert? Wie funktioniert diese „fünfte Gebetsform“, die Gregg Braden in seinem neuen Buch „der Jesaja Effekt“ beschreibt? Um zu verstehen, was das Neue an der Art des Betens ist, die Braden anhand alter vorchristlicher Schriften entwickelt hat, werfen wir einen Blick darauf, was Beten eigentlich für uns heute bedeutet. Beten, was ist das? Beten ist ein universelles menschliches Bedürfnis, das in allen Zeiten und Kulturen einen wichtigen Platz einnimmt. Es dient dem Menschen seit er denken kann als Möglichkeit der Kommunikation mit der Schöpfung und gibt ihm die Gewissheit, ein Teil davon zu sein. Beten erleichtert das Herz, tröstet bei Kummer und beruhigt in Zeiten innerer Aufruhr. Indem wir uns vertrauensvoll an Gott wenden (manche sagen vielleicht lieber Kosmos, Das Eine, Schöpfung oder Großer Geist), öffnen wir Herz und Seele in einer Weise, die im Umgang mit anderen Menschen nur selten so gelingt. Wer regelmäßig betet, fühlt sich gesehen und verstanden und wird auch schwierige Situation besser meistern können. Beten - wie macht man das? Man kann vier verschiedene Arten des Betens unterscheiden: Im umgangsprachlichen Gebet finden wir unsere eigenen Worte, um sozusagen "aus dem Bauch heraus" unser aktuelles Bedürfnis nach Hilfe, Danksagung oder Erleichterung auszudrücken. Anlass für das bittende Gebet sind oft tiefere Probleme wie eine schwere Krankheit, Einsamkeit oder ein schmerzhafter Verlust. Wir wenden uns an eine höhere Instanz, weil wir mit unserem Latein am Ende sind. Wenn alle weltlichen Mittel versagt haben, soll die göttliche Macht aus reiner Gnade Heilung bringen. Als rituelles Gebet bezeichnet man die zahlreichen bereits vorformulierten Gebete, die auswendig gelernt und seit Generationen in immer der gleichen Form bei verschiedenen Anlässen gesprochen werden. Da sich die Worte seit Jahrhunderten kaum verändert hat, hapert es bei dieser Form des Betens oft am inhaltlichen Verständnis. Das meditative Gebet kommt ohne Worte aus. Schweigend nehmen wir Kontakt auf zu den schöpferischen Kräften in unserer Welt und in unserem Körper. Die Meditation geht über das hinaus, was üblicherweise als Gebet bezeichnet wird, denn hier wird im glücklichsten Fall die Trennung zwischen physischer und nicht-physischer Welt überwunden. Beten schafft Wirklichkeit! Natürlich wünscht sich jeder, der betet, auch erhört zu werden. Wir möchten erleben, dass unsere Gebete eine Wirkung haben und sich etwas in unserer Lebenswirklichkeit verändert. Leider ist das oft genug nicht der Fall und wir geben uns damit zufrieden, uns wenigstens einmal ausgesprochen zu haben. Langfristig und dauerhafte Verbesserungen auf persönlicher oder gar weltweiter Ebene allein durch Beten halten wir schlichtweg für utopisch. Unsere Erziehung zum rationalen Denken macht es schwer, diese Möglichkeit überhaupt ins Auge zu fassen. Gleichzeitig ist nicht zu übersehen, dass spirituelle Themen und religiöse Praktiken wieder gesellschaftsfähig werden. Auch das Beten findet nicht mehr ausschließlich im privaten Kämmerlein oder im Schoß der Kirche statt. Die regelmäßigen Leipziger Friedensgebete 1989 sind ein gutes Beispiel dafür, wie sich durch das gemeinsame Beten ein neues Bewusstsein einstellen konnte, das die äußeren Umstände tatsächlich verändert hat. Der verlorene Schlüssel zum Gebet Dass unsere Gebete so oft nicht den gewünschten Erfolg haben liegt nicht daran, dass wir etwas falsch machten oder nicht genug glaubten. Gregg Braden ist bei seiner Forschung auf ein uraltes Wissen der Prophezeiungen und des Gebets gestoßen, das verloren gegangen ist und uns jetzt für eine effektive Technologie des Betens fehlt. In den alten Kulturen Chinas, in tibetischen Klöstern und auch in den Stammestraditionen nordamerikanischer Indianer existiert diese Wissen bis heute – in Davids „Regen beten“ hat es sich gezeigt. Gregg Braden hat die alten Schriften der Essener vom Toten Meer studiert, die etwa 500 Jahre vor Christus entstanden sind. Besonders die Schriftrolle des Propheten Jesaja hat ihn zu aufregenden Entdeckungen geführt: Die Aussagen über die Zukunft der Menschheit sind wahrscheinlich über viele Jahrhunderte hinweg falsch interpretiert worden. Nach der neuen Deutung von Gregg Braden ist das, was uns erwartet, nicht das Werk eines mehr oder weniger gnädigen Schicksals, sondern Folge von bewussten Entscheidungen! Auch die Quantenwissenschaft, auf die sich Braden dabei bezieht, hat erkannt, dass unsere Zukunft in Form von unzähligen Möglichkeiten bereits angelegt ist. Welche Möglichkeit Realität wird liegt daran, welche Wahl wir treffen - und das Werkzeug unserer Entscheidung ist das Gebet. Die fünfte Art des Betens Wenn wir auf die bekannte Weise beten, dann erkennen wir bestimmte Umstände in unserem Leben als problematisch und bitten um göttliches Eingreifen, damit sich etwas ändert. Gregg Braden nennt diese Art zu beten „auf Logik gegründet“. Die von ihm entwickelte fünfte Gebetsform ist hingegen „auf Gefühl gegründet“ und mutet geradezu revolutionär an: Wir bitten nicht länger darum, dass unsere Gebete erhört werden, sondern wir sehen unsere Vorstellung als bereits verwirklicht an – wir fühlen uns so, als sei unser Gebet bereits erhört worden! Wenn wir auf diese Weise beten, ist das ein aktiver Entscheidungsprozess: Wir wählen aus den latent vorhandenen Möglichkeiten diejenige aus, die Zukunft werden soll. Welch machtvolle Vorstellung! Aber wie geht das genau? Das Instrument zur Veränderung ist das Gefühl. Schon die alten Essener haben gewusst, dass die Welt um uns herum Gefühle und Empfindungen widerspiegelt, die wir in uns tragen, Es ist bekannt, dass Gefühle als feinstoffliche Energie unser Immunsystem beeinflussen und seit Albert Einstein wissen wir, dass jegliche Materie im Grunde Energie ist. Quantenphysiker haben die Wechselwirkungen verschiedene Energien beobachtet und erkannt, dass sogar ihre eigenen Gefühle während eines Experiments dessen Ergebnis verändern können. Diese Einflüsse dehnen sich auf die Welt um uns herum aus. Genau das passiert auch beim Beten! Unsere Gefühle sind es, die den Kontakt zur Schöpfung herstellen und die Intensität unserer Bitte, unseres Wunsches vermitteln. Wie kann ein derart intensives Gefühl erzeugt werden? In seinen Seminaren hat Gregg Braden herausgefunden, welche Anteile in uns eigentlich aktiv sind, wenn wir beten. Da ist zuerst mal der Gedanke (die Idee, die Zielvorstellung, der Wunsch) den wir zum Ausdruck bringen wollen. Der Gedanke braucht einen antreibenden Motor, der ihm Kraft verleiht, das gesteckte Ziele anzustreben. Diese Energiequelle ist die Emotion, ein Zustand, der auf einer Skala zwischen Liebe und Angst angesiedelt ist. Die jeweilige Emotion bestimmt das Motiv unseres Gebets. Man kann sie auch als das Verlangen beschreiben, mit dem unsere Vorstellungskraft nach einer Lösung sucht. Aus der Verbindung von Gedanke und Emotion entsteht das Gefühl. Wenn uns diese drei Anteile des Gebets vollkommen bewusst sind, können wir eine wahrhaft kraftvolle Vision entwickeln, die als eine Veränderung unserer Realität Gestalt annehmen kann. In den Schriften der Essener heisst es: „Wenn diese drei zu Eins werden, dann kansst du zum Berg sagen, bewege dich fort, und der Berg wird sich fort bewegen.“ Unser Herzenswunsch wird in dieser Form des Gebets zu einer verkörperten Bewusstheit, die in uns aufrecht erhalten bleibt. Wir leben also gewissermassen in einem andauernden Gebet, dessen Energie nicht wie üblich abbricht, wenn das Gebet beendet wird. Man kann sich leicht vorstellen, wie intensiv Massengebete sein können, die auf diese Weise abgehalten werden, zum Beispiel auch über das Internet! Das funktioniert, und Gregg Braden führt in seinem Buch einige eindrucksvolle Beispiele an. „Die fünfte Gebetsform ermächtigt uns, in der Gegenwart des Leidens das Leben zu wählen, indem wir das Denken verändern, welches uns erst in das Leiden hineinmänövriert hat. Das Massengebet ist die Technologie, die das (kollektive) Bewusstsein berührt. Die innere Technologie der verschwundenen Gebetsform ist vielleicht das allermächtigste Werkzeug der Schöpfung. Die Frage ist, bemerken wir die Macht, die wir in uns tragen?“ Gregg Braden . „Gregg Braden ist eine ganz seltene Mischung aus Wissenschaftler, Visionär und Lehrer, der es schafft, unseren Geist anzusprechen und gleichzeitig die Weisheit unseres Herzens zu berühren.“Deepak Chopra
Als besonderer Gast von Lee Carroll wird Gregg Braden am nächsten KRYON-Event in Hamburg teilnehmen. Der Bestseller-Autor und spirituelle Führer zu den heiligen Stätten in aller Welt hat bereits auf vielen Kongressen und natürlich in seinen Büchern dargelegt, wie persönliche und planetare Transformation zur Entfaltung kommen kann. Braden, der früher als Geologe und Computerspezialist tätig war, ist heute eine führende Autorität auf dem Gebiet der spirituellen Philosophie des Altertums und der vor- und frühchristlichen Traditionen. Seine Forschungsreisen in entlegene Bergdörfer, Klöster und Tempel aus vergangener Zeit ermöglichten es ihm, eine Brücke zu schlagen zwischen uralter Weisheit und moderner Wissenschaft. Er zeigt uns einen Weg, den Nutzen, der in diesen lange verlorenen Traditionen steckt, wieder für unser heutiges Leben zugänglich zu machen. In seinem neuen Buch „Der Jesaja Effekt“ gelingt es ihm in ausgesprochen inspiriernder Weise, uns die Kraft des Gebets wieder nahe zu bringen. Er hat aus dem uralten Wissen verschiedener Kulturen, vor allem aus den Schriftrollen vom Toten Meer, eine “Technologie des Betens” entwickelt, mit deren Hilfe die Menschheit in der Lage sein kann, den lange erwarteten Quantensprung des Bewusstseins zu vollziehen. Gregg Braden zeigt uns, wie wir betend eine starke fokussierte Vision einer besseren Welt Realität werden lassen können, indem wir sie als bereits existierend erkennen. In einigen alten Traditionen der Welt hat dieses Wissen zwar überlebt, aber für uns moderne Menschen ist das eine wahrhafte Revolution! Man darf mit Recht gespannt sein, wie Gregg Braden uns in einem machtvollen Gebet gemeinsam an diesem Quantensprung teilnehmen lassen wird. Ute
Lindhorst Am 11. und 12. Oktober wird im Hamburger CCH das nächste KRYON-Event mit Lee Carroll und Jan Tober stattfinden. Neben dem special guest Gregg Braden werden auch diesmal wieder Peggy Phoenix Dubro, Dr. Todd Ovokaitys und der Musiker Robert Coxon dabei sein. An beiden Tagen gibt es ein jeweils einstündiges Live-Channelling mit Lee Carroll, Gespräche über Kryon und seine Botschaft, geführte Meditationen, Energiearbeit, einen Vortrag über eine neue Laser-technologie, die durch Kryon erfunden wurde und wunderschöne Musik. Gregg Braden wird an beiden Tagen etwa zwei Stunden über seine Arbeit sprechen und mit den Teilnehmern beten und meditieren. Für weitere Informationen zu der Veranstaltung schauen Sie bitte ins Internet unter www.wrage.de oder wenden sich direkt an den Wrage Seminarservice. Schlüterstraße 4 in 20146 Hamburg. Telefon: 41 32 97-15, Fax: 44 24 69 oder per e-mail unter: seminarservice@wrage.de
Zum
Thema Beten haben wir ein hochinteressantes Gespräch geführt
mit einem katholischen Geistlichen. Erstaunlich, wie nahe sich
die neue Spiritualität und der alte christliche Glaube
tatsächlich sind.
„Beten ist menschlich“Wie erklären Sie es sich, dass Beten nicht mehr die große Bedeutung für unser Leben hat? Die Menschen heute leben in völliger Zerstreuung. Jeder Einzelne lebt an 25 verschiedenen inneren Orten, möglichst gleichzeitig. Dass wir uns mal einer Sache wirklich widmen, sie in Ruhe tun, die Dinge so lange anschauen, bis sie zu ihrem wirklichen Wert kommen – das gönnen wir uns fast nie. Ich halte es aber für sehr wichtig, einen solchen Zugang wieder zu gewinnen. Unser Ordensgründer Ignatius würde sagen: „Die Dinge verkosten“ – spüren, um was es eigentlich geht. Das Gebet ist ein Weg dorthin, ein Stück Seelenhygiene. Bei aller zerstreuten Lebensweise gibt es auch eine große Sehnsucht bei den meisten Menschen, ein tiefes Bedürfnis nach Glauben. Ausserdem ließ die christliche Erziehung leider oft zu wünschen übrig. Viele Menschen, obwohl sie getauft sind und die Kommunion oder Konfirmation erhalten haben, wurden nie wirklich herangeführt an einen lebendigen Glauben. Niemand brachte ihnen bei, wie das alles gehen soll ..? Das Resultat ist ein Haufen Christen, der sprachlos, also auch gebetlos da steht. Frage: Was ist eigentlich Beten?Das kann man nur ganz allgemein beantworten. Im Grunde ist Beten alles, womit sich der Mensch in Kontakt bringt mit Gott. Und das kann vieles sein im Leben. Wenn wir die Traditionen verschiedener Kulturen betrachten, auch die der katholischen Kirche, dann finden wir einen großen Reichtum an Gebetsformen. Nehmen Sie nur mal die Psalmen. Jede denkbare Lebenssituation kommt hier zur Sprache und jede ist offen dafür, Gebet zu werden. Das reicht vom spontanen Danken bis hin zum tiefsten Leidklagen. Aber es sind auch viele andere Formen denkbar, es kommt auf die Haltung an, mit der ich bete. Dom Helder Camara sagt „Selbst Rauchen kann Beten sein“! Er will damit auch zeigen, wie einfach Beten ist, und wie vielgestaltig. Gebet kann demnach alles sein, was uns mit Gott in Kontakt bringt. Wenn ich jetzt hier eine wegziehe (der Pater raucht schwarze Französische ohne Filter), dann ist das nicht unbedingt beten, aber wenn Sie sich vorstellen: Sie stehen abends am Fenster, rauchen eine Zigarette, geniessen und entspannen und öffnen Geist und Herz .. dann kann auch Rauchen Beten sein. Frage: Sie meinen, das, was die Indianer mit ihrer heiligen Pfeife zelebrieren, könnte auch so etwas ähnliches sein? Nicht nur ähnlich – das i s t Beten! Ich habe selbst viereinhalb Monate bei den Sioux-Indianern in South Dakota gelebt und gearbeitet und wurde auch zu einem Schwitzzelt eingeladen. Da wurde dann die heilige Pfeife herum gereicht. Das ist Teil des Rituals und Tabak ist dort heilig! Das Rauchen wird ganz bewusst ins Gebet aufgenommen, so stellen die Indianer den Kontakt zu Gott her. Zu Beginn fragte mich der Medizinmann, der die Schwitz-Zeremonie leitete, ziemlich barsch, was ich denn da wollte ..! Ich sagte, ich will beten. Das fand er in Ordnung und ich durfte bleiben. Aber er wollte klarmachen, das es sich hier nicht um eine touristische Veranstaltung handelte, sondern um ein Gebet. Warum soll ich beten, was nützt es mir und was kann ich davon erwarten?Beten ist menschlich. Da steckt eigentlich alles drin, warum Sie beten sollen – weil es menschlich ist! Weil Sie darin zum Ausdruck bringen, dass die eigenen Grenzen eben die eigenen Grenzen sind und dass es darüber hinaus vieles andere gibt, dem ich mich aber öffnen kann. Beten ist menschlich, weil ich dadurch zu mir selber komme. Denn wenn ich mich im Gebet an eine Macht, an Gott wende, nehme ich mich selber aus dem Mittelpunkt, schaue noch einmal anders auf die Dinge und sehe alles mit einer anderen Gelassenheit – wenn es gut geht. Ich löse mich aus Fixierungen – fast therapeutisch! Und im Gebet kommen die Dinge nochmal zu ihrem eigenen Recht. Wenn man mitten drin steckt in Problemen, da wird ja der Blick eng. Um aber der Wahrheit näher zu kommen, brauche ich Weitblick. Manches muss auch einfach mal so stehen gelassen werden. Das macht Beten ja auch, dass es die Dinge nennt, sie hinstellt und mal so sein lässt. Beten ist ein Hinschauen, es sollte aber nie beurteilend sein. Was wir vom Beten erwarten dürfen? Es öffnet uns – für mehr! Wie immer das auch aussieht. Kann man beten lernen, auch wenn es schwer fällt?Die Formen des Gebets in der katholischen Kirche sind überaus reichhaltig. Da gibt es eine große Freiheit und jeder muss seinen Weg finden. Wenn sich jemand an mich wendet, dann schauen wir gemeinsam, welche Form am besten passt und funktioniert. Ich sage auch immer, verachtet nicht die gelernten Gebete, denn auch diese Art zu beten ist menschlich. Es gibt Zeiten, da bringe ich kein eigenes, spontanes Gebet zustande, vielleicht weil ich den Kopf zu voll habe. Irgendwie kommt nichts raus. Dann kann es eine wunderbare Hilfe sein, ein gelerntes Gebet zu sprechen. Oder es kann eine Gelegenheit sein, schweigend zu beten, einfach nur da zu sein. So kann eine bestimmte Art des Gebets jeweils ihre Zeit haben. Wenn das Beten schwer fällt, und das geht mir selbst auch manchmal so, dann hilft oft das Beten für andere. Weil ich dann noch mal eine andere Kraft spüre und wiederum nicht so sehr bei mir haften bleibe. Ich kann nicht die Probleme eines anderen Menschen lösen, aber wenn ich für ihn oder sie bete, sehe ich auch diesen Menschen nochmal anders an. Ich glaube, dass das Gebet für andere eine tiefe heilende Wirkung hat – für denjenigen und auch für einen selber. Wir öffnen uns für einen anderen Menschen und auch für die Wirklichkeit wie sie ist. Diese Wirklichkeit auszuhalten – auch dabei hilft das Gebet. Muss ich an den Gott der christlichen Kirchen glauben um zu beten?Aus meiner Sicht ist das völlig zentral und lebenswichtig. Damit will ich nicht sagen nicht, dass jeder, der nicht so denkt, die Mitte verpasst hätte. Das könnte ich mir nicht erlauben. Aber für mich als Priesert, der in dieser Kirche lebt, ist das natürlich die Mitte. Damit sind andere Formen des Gebets nicht wertlos oder schlechter. Ich möchte das nicht vergleichen und auch nichts veruteilen. Ich denke, das sind einfach unterschiedliche Zugänge, die alle ihr Gewicht haben. Ich wünsche jedem, dass ihm auf seinem Weg sein Leben gelingen möge und er tatsächlich zu Gott findet. Dass ich an Jesus Christus und an Gott, seinen Vater glaube, bedeute auch zu suchen, wie das gelingen kann. Auch ich habe dafür keine Garantie und das gilt für jeden Glauben und auch für das Beten. Ich halte dafür, dass sich die christlicheTradition im Gebet einer Person zuwendet, und das ist mehr als nur eine bildhafte Vorstellung. Wir beten ja auch darum, das Gott uns im Glauben stärkt, uns öffnet und durch mich das vollziehen kann, was sein Wille ist. Ein Zirkel? Ja, aber ein göttlicher - kein Teufelskreis .. (lacht). Ist in den Gottesdiensten das Gebet noch lebendig? Wenn man sich mal überlegt, dass jeden Tag auf der ganzen Welt die heilige Messe gefeiert wird und man die Zeitverschiebung beachtet, dann wird daraus im Grunde eine große Messe! Wir sehen ja immer nur einen Ausschnitt, aber die konkreten einzelnen Vollzüge sind im Grunde ein einziger großer Vollzug. Viele Leute kommen gern in die heilige Messe – weil die Liturgie abläuft, so wie sie seit Generationen ist. Die Leute wollen keine großen Events, sie wollen das Schlichte, die Tradition, das Gewachsene. Die Menschen spüren dabei, dass die eigentliche Kraft von woanders her kommt und in ihnen eine Sehnsucht angerührt wird. Die Liturgie enthält Gesänge und Gebete, die an dem Tag von der ganzen Welt, in allen katholischen Kirchen gebetet werden, in allen Sprachen. Ist das nicht ein herrlicher Gedanke, dass auf der ganzen Welt zur gleichen Zeit alle dieselben Gebete sprechen? Frage: Die Energie multipliziert sich und bewirkt Veränderung? Ja – ich war mal in einem Kloster, um Exerzitien zu geben und habe dort täglich die heilige Messe erlebt. Da gab es über Monate ein Fürbitt-Gebet, immer im selben Anliegen, immer das gleiche Gebet, in jeder Messe. Und da ist mir aufgegangen, worüber ich bis dahin nie nachgedacht hatte – da passiert etwas! Dadurch wird dieses Anliegen ganz konkret in dieser Weise freigesetzt. Es wird etwas in die Welt gebracht durch das gemeinsame Beten! Vielen Dank für dieses interessante Gespräch. Ute Lindhorst
Diesen Text und das Interview veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung von „Bewußter Leben“
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